Ortsverband Kaltenkirchen

Bahnhofsvorplatz - Leserbrief von Nic Pohlmann
Kaltenkirchen, den 28.4.2007

FDP-Fraktion
Eberhard Bohn 28.4.2007

BAHNHOFSVORPLATZ

Das Thema Bahnhofsvorplatz hat in letzter Zeit an Brisanz zugenommen.
Wir haben als FDP seit fast einem Jahr kritisch zu der Bebauung Stellung bezogen und gegen die vorgesehene Nutzung und Bebauung gestimmt.
Wir sehen uns bestätigt durch zahlreiche Leserbriefe und Äußerungen von Mitbürgern.
Wir veröffentlichen stellvertretend für andere einen Leserbrief von Nic Pohlmann, der aus unserer Sicht ausführlich und kompetent zur städtebaulichen Nutzung und Planung des Bahnhofumfeldes Stellung bezieht.
Einen letzten Versuch, die Kolleginnen und Kollegen der CDU und SPD aus der Stadtvertretung zu einem Umdenken zu bewegen , haben wir mit unserem OFFENEN BRIEF unternommen, der allen Stadtvertretern persönlich zugesandt worden ist. Mit Datum v. 28.4.2007.
Nachfolgend werden unsere Bemühungen, den Bahnhofsvorplatz nicht nach den bisher vorliegenden Plänen und Nutzungen zu bebauen, noch einmal dokumentiert.




Dipl.-Ing. Nic Pohlmann
Marschweg 68
24568 Kaltenkirchen

Umschau
Redaktion, z.Hd. Frau Renk
Schützenstraße
24568 Kaltenkirchen
Kaltenkirchen, den 27.4.07

Leserbrief
Bahnhofsbebauung, Bauausschusssitzung am 24.4.07
Alter Wein in neuen Schläuchen

***

Wer in den letzten Monaten, Wochen und Tagen die Informationen aus dem Rathaus und der Presse über die künftige Bebauung des Bahnhofumfeldes ( derzeitige Brache ) verfolgt hat, muss langsam zu der Erkenntnis kommen, dass Planer und Investoren und Verwaltung sich in eine Art Sackgasse manöveriert haben.
Diese Vermutung wurde durch die anlässlich der Bauauschußsitzung am 24.4.07 vom Investor vorgetragenen Änderungen und darüber hinaus zahlreichen offenen Lösungen und Nutzung noch verstärkt.
Lediglich die Architektur ist ansprechender geworden. Sie bleibt aber eine auf Profit ausgelegte Investoren-Architektur

Für den Bürger werden die Verpflechtungen von Stadt, Investor, Bauträger und letztlich auch AKN immer undurchschaubarer. Letzte hat nun gegen eine Überbrückung des offenen, überdachten Bahnsteigs deutlich interveniert.

Auch muss man sich fragen, was von dem ursprünglichen von der Politik gewolltem Bebauungskonzept noch übrig geblieben ist.
Bei der derzeitig bekannten Planung handelt es sich letztlich nur noch um eine Ansammlung banalster, konsumorientierter Vermietungsprojekte ohne städtebauliche Auswirkung auf die heutige Innenstadt. Die Planung ist langweilig, kalt und herzlos.
Die Kaufkraftabschöpfung durch die konzerngeführten Ladenketten wird zu einer Verödung der Innenstadt und einem ruinösen Wettbewerb führen, bei dem zahlreiche kleine Geschäfte der Innenstadt auf der Strecke bleiben werden.
Aus dieser Erkenntnis heraus sollte die Politik und hier im besonderem die CDU und die SPD die Reißleine ziehen und wie schon zuvor die FDP der derzeitigen Planung und Finanzierung die rote Karte zeigen.
Dann sollte sich die Stadt Kaltenkirchen in den Besitz des gesamten Grundstücks bringen, damit der angebliche Terminzwang der AKN durch Zahlungsforderung als Damokles-Schwert nicht zu einer vorschnellen und falschen Entscheidung für Kaltenkirchen und dessen Zukunft führt. Es gibt keinen Versorgungsnotstand in Kaltenkirchen, der eine derartige Hektik zur Bebauung des Bahnhofsgeländes mit großflächigen Anbietern erforderlich macht.
Sinnvoller wäre es, in Ruhe mit Beteiligung der Bürger, der Geschäftswelt, mittelständischen Wirtschaft und hiesigen Finanzwelt ( Banken, Sparkassen ) und Mitwirkung von Städtebauexperten nach einer sinnvolleren Alternative gesucht und diskutiert werden.
Seite 2 Leserbrief vom 27.4.07 an die Umschau, Kaltenkirchen

Und in inbetracht der Größe dieses Projektes wäre Verwaltung und Politik gut beraten, sich der Hilfe eines geeigneten Architektur-Büro für Städtebau und Planung zu bedienen, der dann auch den Investor und dessen Architekten überwachen kann. Diese Kosten stehen in keinem
Verhältnis zu den Gesamtkosten und würden Kaltenkirchen auch während der Bauphase vor Fehlentwicklungen schützen.
Wichtig ist es auch , Einfluß auf die Pallette der Anbieter und des Warensortiments zu nehmen .
Aus dieser Erfahrung heraus wäre die Findung eines Arbeitstitels für die Planung und spätere Bebauung des Bahnhofsumfeldes überlegenswert.
Als Vorschlag stelle ich „ Holsten Quartier Kaltenkirchen „ zur Diskussion .
Und wie sollte nun diese Adresse in einigen Jahren einmal aussehen ?
Auf jeden Fall muß der Anteil von Dienstleistung und Kleingewerbe von derzeit nur 15 % mehr als verdoppelt werden.45 % Handel sind einfach zu viel und lassen das Gelände um den Bahnhof nach Geschäftsschluß zu einer „ toten Zone „ mit Getto-Charakter werden.
Das Gelände um den neuen unterirdischen AKN – Bahnhof birgt die epochale Chance, einen städtebaulichen Akzent für Kaltenkirchen als Mittelzentrum und äußerem Achsenschwerpunkt zu entwickeln. Hier sind auch der Ring für Handel, Handwerk und Gewerbe und die Gruppe Innenstadt – Einzelhandel zur konstruktiven Mitarbeit aufgerufen.
Auch ein Wettbewerb mit hoher Beteiligung der Bürger und Unterstützung durch die örtlichen Medien würde neue Ideen zur Nutzung bringen. Oder eine Studien – Reise von Verwaltung, Politik und weiteren beteiligten und interessierten Personen zu gelungenen Innenstadt – Bebauungen könnte zu einer besseren Lösung beitragen. Beispiel : Reise nach Königsbrunn Ende der achtziger Jahre in Sachen Holstentherme
Dieser ist sowohl in gestalterischer Hinsicht bezüglich der Architekturqualität wie auch nutzungsmäßig städtisch angemessen zu strukturieren.
Banale, gesichtslose und introvertierte Verkaufsflächen mit Anspruch auf flächenintensive, ebenerdige Parkplätze sind hier kontraproduktiv für eine städtebauliche Impulswirkung –
Sie fördern die Verödung und schöpfen Kaufkraft ab.
Der formale Anspruch der AKN – Bahn mit der neuen, transparenten Bahnhofshalle (Kaltenkirchen – Mitte ) sollte bei zukünftigen Baumaßnahmen fortgeführt und weiterentwickelt werden. Das Ziel muß ein lebendiges Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität und urbaner Ausstrahlung im Hinblick auf Identifikation, Kommunikation, Information und Orientierung sein.
Der Standort zwischen Holstenstraße und Hamburger Straße mit dem Bahnhof Kaltenkirchen- Mitte ist prädestiniert für eine strukturelle Vernetzung mit allen angrenzenden Bebauungsbereichen – mit vielfältigen Sichtbeziehungen, guter Orientierung und einer Nutzungsmischung, die eine Vollzeit – Belebung gewährleistet.
Es muß ein Spannungsverhältnis zwischen Bewegung / Fluktuation und Ruhe / Platz – Stadtraum erreicht werden.
Als Nutzungen mit zentraler Funktion an diesem Verkehrsknoten mit ÖPNV, Taxi, Bus und Individualverkehr sind in Anbindung an den bestehenden Einzelhandel der Innenstadt Einzelhandel, Gastronomie, Büroflächen mit Besucherfrequenz, Berater – und Arztpraxen,
ein Hotel als Betreiber angegliederter Funktionen wie Restaurant / Cafe , Konferenzräume, Festsaal / Veranstaltungssaal geeignet und sinnvoll.
Besonders geeignet sind auch eine kombinierte Nutzung von Mehrgenerationen- Wohnquartier mit betreutem Wohnen und Pflegebereich, Appartments für junge Menschen und Familienwohnungen, ergänzt mit entsprechenden Folgeeinrichtungen und Freiflächen, Grün / Bäume und Wasser, Außenräume / Platz mit bester Aufenthaltsqualität
Auch eine ökologische Bauweise, die Einbeziehung regenerativer Energien, eine fußgänger – und fahrradfreundliche Verkehrsführung müssen zur Prämisse erhoben werden.
Und wenn sich eines Tages noch eine Bürgerinitiative mit dem Ziel gründet, um auf den vorhandenen Gleisen von DB und AKN einen Sprinter-Zug auf der Strecke Kiel – Neumünster- Kaltenkirchen – Norderstedt – Flughafen HBG-Fuhlsbüttel als Airport- Express fahren zu lassen, muss sich Kaltenkirchen um seine Zukunft keine Sorge machen. Quo Vadis Kaltenkirchen .

Nic Pohlmann, Dipl.- Ing.

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Leserbrief zum Leserbrief von Nic Pohlmann am 17.4.2007:
Langweilige und kalte Planung:

Nic Pohlmann hat uns aus der Seele gesprochen.
Genauso ist es : Wir verschandeln unser Bahnhofszentrum, wenn wir die beschlossene Planung weiterverfolgen. Bisher lehnt nur unsere Fraktion diese Planung ab.
Und es gibt Alternativen, die Nic Pohlmann richtig beschreibt, die aus dem Jahrhundertbauwerk Bahnofsvorplatz ein lebenswertes Zentrum für alle Bürger macht.
Auch der Vorschlag, viele Bürger in eine künftige Planung mit einzubeziehen, ist hervorragend.
Dass zusätzliche Kosten auf die Stadt zukommen, ist bekannt. Aber sie rentieren sich langfristig durch die Schaffung eines lebendigen Bahnhofvorplatzes "mit hoher Aufenthaltsqualität und urbaner Ausstrahlung im Hinblick auf Identifikation, Kommunikation, Information und Orientierung", wie Nic Pohlmann zutreffend beschreibt.
Alle Kaltenkirchener Bürger, denen die Stadtentwicklung nicht gleichgültig ist, finden uns an ihrer Seite.
FDP-Fraktion in der Stadtvertretung
Eberhard Bohn, Marion Schildt, Michael Schneede, Elke Adomeit


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OFFENER BRIEF 27.4.2007

Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU und SPD in der
Stadtvertretung


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Die Entscheidung darüber, wie unser Bahnhofsumfeld gestaltet werden soll, tritt in die endgültige Phase. Obwohl mit dem Beschluss in der Sondersitzung des Bauausschusses am 7.9.06 eine Entscheidung getroffen schien, hat der Investor erneut Veränderungen gewünscht. Über diese Veränderungen wird im Bauausschuss am 8.Mai 07 vorentschieden.
Sie wissen, dass wir schon am 7.9.06 im Bauausschuss gegen die damalige Planung gestimmt haben. Wir haben uns damals schwer damit getan, weil wir die vorangegangenen Planungsschritte mit unterstützt hatten. In der Bauausschusssitzung vom 7.9.06 hatten wir dann die "Reissleine" gezogen.
Uns ist erst zu diesem Zeitpunkt das ganze Ausmaß der Planung bewusst geworden. Man kann uns vorhalten, dass wir das schon früher hätten erkennen können. Wir stellen selbstkritisch fest, dass das nicht der Fall war.
Aber es geht heute nicht um persönliche Befindlichkeiten oder Fehleinschätzungen. Es geht existentiell um die Zukunft unserer Stadt.
Wenn am 8.5.2007 so entschieden wird, wie geplant, stellt sich folgende Szenerie ein:
Das Bahnhofsumfeld wird bebaut mit Schwerpunkt zwei Discounter- bzw. Verbrauchermärkten Penny und Sky sowie der Drogeriemarktkette Budnikowsky und den Discount-Handelsketten Tedi (Ein-Euro-Artikel) und kik.
Für diese Discounter, Märkte und Handelsketten müssen ausreichend Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. Und das werden sie: auf ebener Fläche, in einem Parkhaus und in Parkdecks, alle zusammen knapp 400. Das ist aus der Sicht der genannten Anbieter nachzuvollziehen.
Aber wir - und das sehen wir nicht allein so - können weniger gut nachvollziehen, dass unser Stadtzentrum zu einem konsumorientierten
Warenumschlagplatz degradiert werden soll. Dieser Platz wird abends, sonntags oder feiertags zu einem öden Gelände, auf dem leere Parkplätze und Parkdecks und verdunkelte Büro- und Discountläden dominieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie wissen, dass wir gemeinsam am Anfang der Planung von einem Nutzungsanteil von 1/3 Wohnen, 1/3 Handel und 1/3 Dienstleistung ausgegangen sind. Diese Gewichtung ist im Laufe der Planungen eindeutig zugunsten von Handel (und Parkplätzen) entschieden worden.
Wenn wir uns als Vertreter der Stadt (Stadtvertreter) sehen und nicht als
Parteivertreter oder Investorenvertreter, dann können wir der in Aussicht genommenen Planung nicht zustimmen.
Unser erweitertes Stadtzentrum am Bahnhof sollte durch Leben bestimmt sein. Das heißt: Menschen gehören ins Zentrum: Wohnungen, Stadtvillen, Wohngemeinschaften für Ältere, generationsübergreifendes Wohnen, kleine Grünanlagen, Cafes, kleine Geschäfte, Arztpraxen. Horst Opaschowski, Leiter des BAT Freizeit-Forschungsinstituts in Hamburg, schreibt: "Im Jahr 2020 werden die meisten 80-90-Jährigen in eigenen Wohnungen und selbstgewählten Hausgemeinschaften zentrumsnah wohnen und leben wollen."
Wir als Stadtvertreter wissen gemeinsam, dass bei einer Entscheidung am 8. Mai gegen die bisherige Planung Kosten auf die Stadt zukommen. Neben den Kosten für die AKN (ca. 4 Millionen für den Grundstückskauf) könnten weitere finanzielle Verpflichtungen auf die Stadt zukommen. Das Letztere wäre zu prüfen. Bei der AKN-Ablösung wäre dann die Stadt Grundstückseigentümer und hätte freie Hand bei einer erneuten Planung, die zu einer Refinanzierung führen würde. Es stimmt also, dass finanzielle Konsequenzen zu bedenken sind.
Es gilt also verantwortlich abzuwägen: Wollen wir die sichere Finanzierung durch die jetzt vorgesehene Planung oder wollen wir freie Hand bekommen für eine neue bürger- und innenstadtfreundliche Planung?
Wir sollten den Mut zu einer neuen Planung haben.
Wir sollten uns nicht nach zehn oder mehr Jahren fragen lassen müssen: Wie konntet ihr eine solche Bebauung und Nutzung im Zentrum unserer Stadt zulassen?
Fairerweise kündigen wir an, dass wir bei den Entscheidungen am 8.5.2007 im Bauausschuss und später in der Stadtvertretersitzung namentliche Abstimmung beantragen werden..
Jeder von uns sollte mit gutem Gewissen für oder gegen die vorgesehene Planung und Nutzung stimmen.
Eberhard Bohn, Marion Schildt, Michael Schneede, Elke Adomeit


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